Geomorphologie trifft Ziegeltechnik: Ein Blick auf Erdoberfläche, Rohstoff und modernes Bauen

Wie verändert sich das Relief unserer Landschaft über Jahrtausende? Und was hat das historische Flussbett des Ur-Mains mit modernem, nachhaltigem Wohnungsbau zu tun? Die Antwort liegt in der Geomorphologie – der Wissenschaft von der Entstehung und Formung der Erdoberfläche.

Was auf den ersten Blick „ziemlich oberflächlich“ wirkt, reicht in Wahrheit tief in die Erdgeschichte. Durch die Ablagerung von Sedimenten im alten Flussbett des Mains entstanden vor Jahrtausenden oberflächennahe Bodenschätze wie der Hainstädter Ton. Diese natürlichen Prozesse prägen bis heute nicht nur die Landschaft, sondern auch die Rohstoffbasis für den modernen Mauerwerksbau.

Genau diesem Zusammenspiel von Geologie, Rohstoff und Praxis widmete sich kürzlich der Besuch von rund 35 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der Jungen Geomorphologie in Hainburg. Die Teilnehmenden kamen aus ganz Europa, darunter Padova, Zürich, Wien, Kiel und Freiburg. Organisiert wurde die Exkursion von M. Sc. Bastian Grimm, PhD candidate an der Justus-Liebig-Universität Gießen, der den aktuellen Forschungsstand zur Entwicklung der Erdoberfläche einordnete.

Die Tongrube „am Katzenbuckel“ bot bei sommerlichen Temperaturen den passenden geologischen Aufschluss: Freigelegte Ton- und Sandschichten machten die Sedimentgeschichte unmittelbar sichtbar. Im Mittelpunkt stand dabei auch die seit Jahren praktizierte Zwischenlagerung und Wiederverwertung von Tonen aus Baumaßnahmen der Region Rhein-Main. Dieser Ansatz schont Primärressourcen und reduziert Deponiemengen – ein Thema, das auf großes Interesse stieß.

Darüber hinaus zeigte die Grube eindrucksvoll, wie Rohstoffgewinnung und Biodiversität zusammenwirken können. Der Abbau schafft ein fein gegliedertes Relief aus Steilwänden, Mulden, Rohböden und temporären Gewässern. In der Rekultivierung entstehen daraus wertvolle Sonderstandorte und Mikrohabitate, die seltenen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum bieten.

Nach der Grube folgte die Anwendung im Hörl+Hartmann Ziegelwerk Hainburg. Dort wurde deutlich, wie der sorgfältig aufbereitete Rohstoff mit moderner Anlagentechnik, präziser Prozessführung und Robotik in leistungsfähige Mauerziegel für den nachhaltigen Wohnungsbau überführt wird.

„Ziemlich oberflächlich“? Ganz im Gegenteil. Der Tag zeigte, wie eng geomorphologische Grundlagen, regionale Rohstoffnutzung und zukunftsfähige Baustoffe miteinander verbunden sind. Von der Erdoberfläche bis zum Ziegel war es ein fachlich intensiver und zugleich inspirierender Austausch.

Chapeau an die Kolleginnen und Kollegen der Jungen Geomorphologie für die enorme Ausdauer bei dieser Hitze und den tollen, interdisziplinären Austausch. Wir wünschen euch viel Erfolg bei euren Studien und Forschungsarbeiten!

Fotos: Bastian Grimm

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